Warum Unconscious Biases Sie an Ihrem Team-Erfolg hindern

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Jede*r internationale Expatriate und Teamleader*in kann lernen unbewusste Vorurteile zu erkennen und konstruktiv damit umzugehen. Am Ende des Artikels erhalten Sie dazu meine sechs Top-Tipps.

Welcome back to germany

Im Jahr 2002 bin ich nach sieben Jahren Auslandsaufenthalt wieder zurück nach Deutschland.  Es war schön zurück zu kommen. Aber auch schwer. Ich hatte ein wenig Rückkehrer-Kulturschock. Meinen Blockartikel dazu finden Sie hier:

Die Deutschen können ganz schön nerven!

Nachdem großer Freude darüber, dass etwa mein Bus wirklich zur Minute pünktlich um 7:00 Uhr an der Haltestelle anhält, gesellte sich aber schleichend auch ein wenig Frust in mein Leben: der Bus fährt eben auch genau um 7:00 Uhr und wartet nicht bis 7:00 und 20 Sekunden. Keine Gnade! Ganz egal wie sehr ich mich abhetze und dem Busfahrer versuche Zeichen zu geben. Da sind sie gnadenlos. Und dass man sich eine Anzeige einhandeln kann, wenn man als Fußgänger für einen Freund einen Parkplatz freihalten will. Dass es mittlerweile 120 Euro kostet, wenn man als Fußgänger über eine rote Ampel geht (ja auch nachts um 3:00, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist). Meine flexible, österreichische Seele bekommt da immer starke Beklemmungen.

DIe Anderen sind doof!

Ich war also genervt vom „deutschen System“. Gewöhnt an die italienische Lässigkeit im Umgang mit roten Ampeln (ist doch nur ein Orientierungssystem!), der Flexibilität im Umgang mit Parktickets (Österreich), sowie der schieren Masse an Parkplätzen in den USA (extrem großes Land), fand ich Deutschland bürokratisch, engstirnig und unflexibel.
Meinen Ärger machte ich Luft in Gesprächen mit Freuden. „Müssen doch alle hier so machen“, kam da meist als Antwort. „Was regst Du Dich auf?“

Vielleicht kennen Sie das ja auch: da gibt es diesen Kollegen, der nervt. Er ist super laut und „immer so extrovertiert und aufgedreht“. Er muss immer die meiste Redezeit in den Meetings haben“ und „überall seinen Senf dazu geben“. Ihnen geht das auf die Nerven.
Oder die Teamarbeit mit den Kolleg*innen aus Italien, Österreich oder den USA: „Was soll das immer mit dem nervigen Small-Talk. Wir sind doch hier zum Arbeiten, oder?“

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DIE Erkenntnis: damit komme ich nicht weiter

Egal wie doof Sie die Kolleg*innen finden, oder wie doof ich das System fand: die Wahrscheinlichkeit dass „der Andere“ sich Ihnen zuliebe ändert ist gering. Ganz egal wie sehr das nervt. Wenn Sie sich weiter aufregen wollen, ist das reine Zeitverschwendung. Was können Sie stattdessen tun?

Eine Lösung musste her, nur welche?

„Nichts ist an sich gut oder schlecht, erst das Denken macht es so (Shakespeare).“

Eine Schlüsselerkenntnis dazu hatte ich im Psychologiestudium. In einer der gruppendynamischen Übungen arbeiteten wir zum Thema „Projektionen“. Achtung: für das was jetzt kommt, brauchen Sie starke Nerven! Sie werden nämlich herausfinden, dass Sie Teil des Problems sind.

Hilfe, ich habe eine Projektion!

Eine Projektion haben Sie, wenn Sie anderen Menschen Schwächen oder Probleme zuschreiben, die Sie selber offen oder verdeckt haben. Wenn der Kollege also so nervig extrovertiert ist, dann kann es sein, dass Sie sich dies selber niemals erlauben würden. Als Psychologin empfehle ich da immer einen Blick in die Kindheit. Vielleicht haben Sie gelernt, immer schön brav zu sein und ja nicht zu laut, weil sonst … In jedem Fall haben Sie - in der Regel – in Deutschland nicht gelernt, dass Small-Talk zum Arbeitsalltag dazugehören kann und muss.

Sowohl das stillhalten in der Kindheit als auch das nicht Small-Talken hatten ihre volle Berechtigung. Kommt in Deutschland eben eher unprofessionell rüber. Aber zum einen sind Sie jetzt groß und zum anderen arbeiten Sie eben gerade nicht mit Deutschen, sondern mit Menschen aus einer Kultur zusammen, in der persönliches Kennenlernen fundamental wichtig für ein erfolgreiches Geschäftsleben ist.

Ich würde das nicht auf die leichte Schulterm nehmen: wenn Sie in dem Fall den Small-Talk kategorische ablehnen, werden Ihre internationalen Geschäftsbeziehungen massiv darunter leiden. Außerdem stehen Ihnen alle Anteile, die unterdrückt und abgespalten wurden nicht mehr zur Verfügung. Was für eine Verschwendung Ihrer wertvollen Resourcen und welcher Verlust von Lebendigkeit.

Wenn ein anderer Mensch diesen Anteil (vielleicht auch etwas extrem) lebt, dann wird dieser abgespaltene Anteil in uns getriggert. Ganz schön nervig! Aber eigentlich können Sie allen Menschen, die diese „schrecklichen Projektionen“ in Ihnen auslösen dankbar sein. Denn sie erinnern Sie an eine Aufgabe, die Sie noch zu erledigen haben. Wenn Sie das denn wollen. Denn dazu braucht es den Held*innenmut, dem eigenen Schatten begegnen zu wollen.

Darf ich vorstellen: Ihr Schatten

Die abgespaltenen Anteile liegen in Ihrem Unterbewusstsein, also Ihrem Schatten (vgl. C. G. Jung). Das ist der Teil Ihres Bewusstseins auf den Sie keinen direkten Zugriff haben, der aber zu 80% bestimmt, wie Sie denken, fühlen und wie Sie handeln. Basically, wie Sie Ihre Realität wahrnehmen.

Oh, Sie dachten, es gibt nur eine objektive Realität? Da muss ich Sie enttäuschen.

Manche Menschen behaupten außerdem von sich, dass sie ausschließlich aus Licht und Liebe bestehen und gar keinen Schatten haben. Meist behaupten sie außerdem, dass sie vorurteilsfrei sind. Oft haben sie dabei einen leicht aggressiven Unterton.

Ich gehöre zu den Menschen mit einem gehörigen Schatten. Die Wissenschaft sagt sogar, dass Schatten, Vorurteile und Unconscious Biases in uns biologisch angelegt sind.

Ihr Gehirn ist Schuld, sagt die Wissenschaft

Ihr Gehirn besteht aus vernetzten Regionen. Es entwickelt sich ständig weiter und verarbeitet in Ihrem Unterbewusstsein viele Prozesse. Dabei benutzt es bestimmte Muster, um Denk-Ressourcen zu sparen. Es ist also ein kleiner Faulpelz! Bei diesem Sparprozess entstehen die s.g. Unconscious Biases. Das sind eine Art Wahrnehmungsfilter, mit denen Sie Menschen und Situationen wahrnehmen und bewerten. Diese Sparprozesse oder Unconscious Biases sind quasi ein Hauptmerkmal Ihres Gehirns.

Erinnern Sie sich doch einmal an Ihre letzte Bahnfahrt. Sie steigen ein. Andere Menschen steigen ein. Innerhalb von Millisekunden, bewerten Sie diese anderen Menschen und ordnen sie ihrer Peer-group zu, oder eben nicht. Ihr Gehirn findet dabei immer gute und rationale Gründe für Ihre (unbewussten) Reaktionen auf Menschen und Situationen. „Wie die/der aussieht! Geht ja gar nicht (oder was auch immer sie so denken).“

Wenn Sie zu den Vieldenker*innen gehören, dann kommt dabei erschwerend hinzu: Je mehr Sie wissen, umso besser können Sie sich selber erklären, warum die andere Person wirklich so ist, wie Sie sie wahrnehmen.

Sobald Sie so einen Unconscious Bias erschaffen haben, sitzt der erst mal fest im Sattel. Ihr Gehirn (meines übrigens auch) ist träge und mag das Denken in Kategorien und Schubladen. Ist doch eh alles so kompliziert da draußen, oder ;)?

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Meine Erfahrungen mit ALltagsrassismus

In Italien hatte ich – mit meinem damals nicht akzentfreien Italienisch – eine Wohnung gesucht. Die kurze Antwort auf meinen Anruf bei einer Vermieterin lautete: „No stranieri“. „Keine Ausländer*innen“. Mich hatte das damals schockiert. In Deutschland und Österreich war ich immer eine gerne gesehene Mieterin gewesen. In Österreich hatte ich glaube ich sogar einen Deutschland Bonus (stereotype Idee, dass alle Deutsche super ordentlich sind ;). Aber bei dieser Frau landete ich – aufgrund meines Akzents - sofort in der Box „Ausländerin“ und sie wollte nichts weiter von mir wissen.

Ich habe übrigens schon zahlreiche ähnliche Geschichten von Menschen (mit nicht Deutsch klingendem Namen) gehört, wenn sie in Deutschland versuchen eine Wohnung zu finden.

Ein Gedankenexperiment

Ich lade Sie zu einem Experiment ein: Überlegen Sie doch mal, was Sie über mich denken? Was für eine bin ich? Was können Sie über mich sagen, aufgrund meines Fotos, meiner Webseite, meines Lebenslaufs und meines Schreibstils? Ich bin mir sicher, dass Sie sich schon ein Bild von mir gemacht haben.

Posten Sie gerne Ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen gerne in das Kommentarfeld. Ich bin schon ganz gespannt dabei mehr über (Achtung nicht mich, sondern) Sie zu erfahren. Denn: was wissen Sie denn eigentlich wirklich über mich? Und: was hat das eigentlich mit Ihnen zu tun?

Unconscious Biases wirken sich negativ auf Ihre Teamleistung aus

Ihr Teamwork ist also miserabel, weil der Kollege aus Italien immer unpünktlich ist und so viel Zeit mit Small-talken verschwendet? Die US-Amerikaner*innen sind alle oberflächlich, weil sie während der Arbeit so viel über Ihr Privatleben erzählen? Alle Deutschen kalte, emotionslose Roboter? Die Österreicher*innen haben einen Titelwahn und trinken ständig Kaffee?

Kann schon sein, dass das auf den Einen oder die Andere zutrifft. Aber den Blick, den Sie auf andere Menschen haben, sagt vor allem etwas über Sie und Ihre kulturelle Brille aus.

Wenn Sie Menschen mit diesen Bewertungen begegnen (tun wir alle), diese aber nicht hinterfragen (das machen die wenigsten), dann bekommen Sie ein Leistungs-Problem: statt joining of forces (das wahre Leistungspotenzial von kulturell diversen Teams) kreieren Sie einen Machkampf darum, „wie es richtig gemacht wird“. Das verschwendet Zeit und Energie. Daran scheitern meiner Erfahrung nach heute noch die meisten kulturell diversen Teams.

Wieder die Kontrolle übernehmen

Die gute Nachricht: Sie können die Kontrolle wieder zurückgewinnen. Aber – und das ist jetzt echt wichtig - niemals über die Anderen, sondern immer nur über sich selbst und Ihren mind-set. Den können Sie nämlich dehnen. Sie können interkulturell flexibel werden. Das wird Sie erfolgreicher machen und Höchstleistungen aus Ihrem Team herausholen. Im Team entsteht ein Arbeitsflow. Niemand muss seine kulturell erfolgreiche Verhaltens-Expertise unterdrücken. Das führt – wie Sie etwas bei den Wissenschaftler*innen Maznievsi & DiStefano - nachlesen können, zu einem massiven Leistungsabfall diverser Teams.

Dazu müssen Sie allerdings Ihrem Ego einen Tritt in den Hintern verpassen und ihm sagen, dass Sie ab jetzt die Kontrolle wieder übernehmen werden. Wenn Sie wissen wollen wie das geht, dann lesen Sie meine sechs Top-Tipps, weiter unter oder besuchen Sie eines meiner Interkulturellen Training.

Visualisierung einer Gruppemarbeit meiner Trainees

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Meine fünf Top-Tipps zum Umgang mit Unconscious Bias

„Die höchste menschliche Form ist zu beobachten, ohne zu bewerten (Jiddu Krishnamurti).

  1. Werden Sie sich bewusst über Ihre Unconscious Biases
    • Stellen Sie grundsätzlich Ihren ersten Eindruck von einer Person, Gruppe oder Situation in Frage. Ebenso Ihre (inneren und äußeren) Reaktionen.
    • Erinnern Sie sich daran, dass Individuen und auch Organisationen, die denken, dass sie objektiv sind, in der Regel die größten Unconscious Biases haben. Niemand ist objektiv!
  2. Bauen Sie Unternehmen, Teams und Arbeitsgruppen auf, die Unconscious Biases anerkennen
    • Ermutigen Sie alle Kolleg*innen Biases zu bennen. Machen Sie den Anfang!
    • Bitten Sie aktiv um Input. Danken Sie, wenn Biases benannt werden.
    • Wenn Sie bemerken, dass Sie einen Fehler gemacht haben, dann entschuldigen Sie sich.
  3. Informieren sich über das Thema, lesen zum Beispiel Blogartikel. Check :)!
  4. Wann immer Sie sich von jemanden getriggert fühlen: halten Sie einen Moment inne. Statt die Situation zu bewerten, beschreiben Sie sie.
  5. Verlangsamen Sie Ihre Entscheidungsfindung, ganz besonders wenn es stressig wird. Überlegen Sie noch einmal Ihre ganz genauen Gründe, warum Sie diese Entscheidung getroffen haben.

 

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Und jetzt zu Ihnen

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema Unconscious Biases? Welche Fragen brennen Ihnen unter den Nägeln? Und was denken sie von mir und erkennen dabei über sich selbst?

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